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Der alltägliche Kampf oder (k)ein A-ha – Erlebnis

Es ist gut, dass ich das gleich niederschreibe, denn das Erlebnis ist erst drei Tage her. Aber die Erkenntnisse die ich daraus gewinne sind immens, wenn auch nicht neu!
Vor zwei Wochen fragte mich Jack, der jetzt auch meistens wieder auf der Base lebt, was ich mache, wenn ich mal einen schlechten Tag habe. Ich bereitete gerade meinen Unterricht über „geistlichen Kampf“ vor. Dazu las ich ein Buch, guckte durch vergangene Aufzeichnungen, betete zwischendurch viel, auch laut auf deutsch, selbst wenn andere dabei saßen. Das ist hier völlig normal. Es schien eine etwas unverhoffte Frage von ihm, spielte aber auf eine mögliche praktische Anwendung für ihn auf mein Thema an. Spontan antwortete ich: „Hoffen, dass morgen ein besserer wird.“ Nach weiterem Denken: „Hoffen, dass es möglichst wenige bemerken und ich nicht andere damit anstecke.“Beten scheint mir immer die offensichtlichste Antwort und wollte dies nicht unbedingt so antworten. Aber zurück zur Anwendung (die natürlich jeden Tag anwendbar ist)
Schon die ganze Woche fühlte ich mich nicht so gut, vielleicht lag es an der PMS oder an dem beständigen Vitamin- und Mineralmangel den ich ausmachen konnte als ich mit meiner Chefin über meine Symptome vor mehr als einer Woche sprache. Das Klima fordert einfach alles von dir. Es dauert wirklich eine ganze Weile ehe man sich angepasst hat. Ich bin eigentlich fast immer müde, meine beste Zeit ist, wenn die Sonne untergeht, also zwischen 17 und 20 Uhr. Oft „rette“ ich mich bis 22 Uhr damit ich nachts gut schlafen kann, aber in dieser Zeit kann ich oft gar nichts tun außer Musik hören. Vitamine sind hier so teuer, dass ich mir von meinem Chef welche aus den USA mitbringen lassen möchte, wenn er nächste Woche dorthin reist. Also heißt es jetzt damit umgehen…nur wie? Auch arbeite ich körperlich hart, ca. 5-6 Stunden Gartenarbeit sind gerade angesagt, aber alles ist unter meiner Verantwortung, was mir totalen Spass macht, denn ich finde immer was zu tun.
Nachts schlafe ich leider nicht so gut, weil meine Mitbewohnerinnen, die sehr gute Freundinnen sind, oft länger wach bleiben, zwar rücksichtsvoll sind, aber ich bin auch extrem empfindlich. Schließlich bin ich es nicht mehr gewohnt mir ein Zimmer zu teilen. Es widerspricht meinem Wohlempfinden. So ärgere ich mich eigentlich jeden Abend und kann es nicht abstellen., Es ist absolute Gnade, dass ich überhaupt für 6-7 Stunden Schlaf bekomme und mich gern am Nachmittag nochmals hinlege.
Donnerstag wachte ich auf mit schlechten Gedanken, vor allem aber verglich ich mich mit den anderen auf der Base. Jeder schien eine Bezugsperson zu haben, außer mir! Ich glaube, dass ich mich genau daran „festbiß“. Woher kam das? Naja, weil ich nicht genug portugiesisch spreche. Leider schaffe ich es auch nicht, das Lernen in meinen Tagesablauf einzubauen. Desweiteren bin ich ein Lerner, der im direkten Austausch lernt, also wenn mich jemand fördert. Es ist schwer jemanden zu finden, der wie meine Freundin Vanessa ist, die mir letztes Jahr im Gespräch portugiesisch beibrachte. Alles scheint so anstrengend hier. Der Umgang mit der anderen Kultur, das andere Essen, das viele Alleinsein beim Arbeiten, die Hitze, etc. Gerne würde ich mehr Zeit mit meinen „Wohlfühlleuten“ wie Elauna, Bernardo, Wenton und Dino verbringen, aber entweder sind sie in der community oder gerade im Urlaub. Wenn ich viel nachdenke, kommt mir das ganze Leben hier wie ein langer Traum vor, wann wache ich endlich auf? Alles ist so abgefahren anders Nachts träume ich oft von Deutschland, meistens von der FES und den Leuten dort. Manchmal erscheint mir das realer…
Mir war klar, dass ich in einem geistlichen, emotionalen Kampf bin. Es fiel mir aber schwer dagegen anzukämpfen. Mir war auch klar, dass wenn ich mich wieder mit dem diesem Thema ausführlicher beschäftige, dass Gott mit mir tiefer gehen möchte und das naürlich umkämpft ist.
Gleichzeitig überlegte ich wie ich mir den Tag schöner gestalten konnte als nur an Arbeit und Überleben denken. Selbst die Aussicht am Abend auf ein A-ha-Konzert in Barcarena zu gehen, schien meine Stimmung nicht aufzuhellen. Aber mir fiel nichts ein. Also drückte ich mich auf facebook aus und hoffte auf Mitgefühl, Antworten, gehört werden oder einfach Gebet, vor allem da wo es mir mangelte. Ich muss noch dazu sagen, dass meine Stillen Zeiten gerade schwierig abzuhalten sind. Ich stehe zwar 6 Uhr auf und nehme mir Zeit, aber oft bin ich noch zu müde. Sobald es ab 6 Uhr hell ist, bin ich sowieso wach, also stehe ich auch auf. Als ich die Nachricht abschickte, bereute ich sie auch schon, denn in der Gruppe sind auch meine Chefin und mein Chef. Und ich konnte einsehen, dass sie es bereits gesehen hatte. Prompt sprach sie mich in der Arbeitseinheit drauf an. Ich mag das an ihr, aber sie kann recht streng auf mich wirken. Sie machte mir keinen Vorwurf, aber stellte gleich fest, dass ich mich da in etwas reingesteigert hatte oder mich z.B ihr gegenüber zu äußern, dass ich gerade Schwierigkeiten habe und mich vor allem einsam fühle. Sie wäre die richtige Person auch wenn wir vielleicht nie Freundinnen werden. Dazu sind wir zu unterschiedlich, dazu mag ich die vielleicht deutsche Distanz zu meinen Vorgesetzten. Sie stimmte mit mir überein, aber sie sei für mich da. Das schätze ich sehr. Sie meinte auch, dass in dieser Zeit mir Jesus in meiner Einsamkeit vielleicht was Wichtiges beibringen möchte, was ich mit nahen Freundinnen eventuell nicht lernen würde. Frag Jesus, was das ist. Das tat weh zu hören, aber sie hatte recht. Ich weinte und entschuldigte mich für mein Beschweren. Ja, mir tut es auch öfter weh zu hören, wenn Leute sich beschweren und halte mich damit auch sehr zurück, an dem Tag ist es mir nicht gelungen. Meine Chefin (Enna) warnte mich auch davor mich so offen auf facebook zu äußern, denn manche könnten mich missverstehen. Ich denke schon, dass ich gelernt habe, mich auf Jesus zu werfen, aber manchmal reicht mir das eben nicht, manchmal will ich das auch nicht und glaube nicht, dass ER mir alles abnimmt, oft weiß ich auch nicht wie das geht, vor allem wenn sich die Gefühle dazu nicht ändern. Also heulte ich meine einsamen Tränen des Selbstmitleids.
Ich sollte am Nachmittag etwas in der Küche aushelfen, Spagetti kochen. Enna gab mir die Anweisung eine Packung nach der anderen zu kochen, was ich irgendwie komisch fand, denn der Topf war ja groß genug. Als sie die Küche verließ, warf ich beide Packungen ins kochende Wasser. Als sie nochmal nachhakte, gab ich zu, dass beide schon am Kochen waren. Sie wirkte enttäuscht, aber handelte schnell und setzte noch einen Topf mit Wasser auf. Schließlich sollte ich Hausbesuche machen. Enna erklärte mir nun den Grund für das extra Kochen: die Spagetti hier sind so schlechte Qualität, dass sie sehr schnell zusammenkleben würden, wenn es zu viele auf einmal sind. Sie machte mir keinen Vorwurf, aber an ihrer Stimme meinte ich zu erkennen, dass sie enttäuscht ist. Klar will ich immer wissen, warum man was macht, Oft meine ich auch, dass ich es besser weiß, weil ich auf vergangene Erfahrungen baue. In dem Fall kann ich mich gesegnet schimpfen, weil ich die Umstände des anderem Kochen verstand und damit Frieden schloß, auch weil Zeit dafür war.
Ich ging mit zwei Kollegen auf einen Hausbesuch in der Nachbarschaft, der echt gut lief. Ich kam langsam runter und bemerkte die Ausmaße meines komplexen Gedankengerüsts der sich auf mich und nicht auf Gott fixieren konnte. Doch als ich hier einer Frau mit drei Kindern und deren Probleme zuhörte und dabei im Fernsehen mitbekam, dass in Oregon ein Mann zehn Menschen erschoss, da wollte ich meinen kleinen Kampf nicht mehr kämpfen, sondern für andere! Wozu stellen wir uns dem geistlichen Kampf? Wozu ziehen wir die geistliche Waffenrüstung an?
Nicht allein, dass wir über uns selbst siegen, sondern, damit wir Menschen für Jesus erreichen. Plötzlich bekam ein Merksatz auf „meinem“ Unterricht letzte Woche sehr starke Realität und das Ziel schlechthin. Wir konnten die Frau mit unserer Anwesenheit, Zeit und Gebet segnen und waren selbst gestärkt. Ich ging danach spontan joggen, was mir voll gut tat. Ich traf dabei auf Maria und ihre Familie, denen ich alle die Hand schüttelte. Ihre kleine Enkelin Julia schreckte etwas zurpck also redete ich ein bisschen auf sie ein. Maria ermutigte auch noch. Aber sie guckte nur ängstlich. Als ich gerade wieder losrennen wollte, umarmte sie mich lang und heftig. Mir kamen fast die Tränen. Meine Gefühle waren aber wiederhergestellt, d.h. Ich fühlte mich verstanden und geliebt, mehr als bereit mich den dunklen Mächten zu stellen. Durch das Joggen verpaßte ch das A-ha- Konzert, was mich ärgerte, denn ich hätte wenigstens fragen können, wann es anfängt. Schade, ich hätte gern am Abend mal was anderes gemacht. Als ich Diana, die wie immer auf dem Deck saß, nur kurz was fragen wollte, entschied ich zu bleiben und mit ihr einen Film dort zu gucken. Dabei ergab ein lockeres Gespräch, unser zweites seitdem sie da ist…guter Abschluss.

Was möchte ich euch damit sagen?

  • Jeder hat mal einen schlechten Tag.
  • Es tut gut Leute um sich zu haben, die einem Unerfahrenheit nachsehen. In Enna’s Augen bin ich ein Kind in der brasilianischen Kultur. Hat was Beruhigendes.
  • In Mission zu sein (unabhängig ob in Brasilien oder Deutschland), mein Ziel ist es Leute für Jesus zu erreichen und Ihm selbst dafür die Ehre zu geben. Na klar, ist das umkämpft!
  • Jeder Angriff erfolgreich abgewehrt, jeder Widerstand der gegen mich aufgebaut wurde, erzeugt geistliche Muskeln und läßt einen im Nachhinein über manche Umstände lachen.
  • Es gehört eine ordentliche Portion Humor zum geistlichen Kampf.
  • Geistlicher Kampf ist ganz oft kein Austreiben von Dämonen, sondern ein täglicher Umgang mit seinen Gedanken. Denn Gedanken sind kontrollierbar, sie führen sonst zum Aussprechen, dann zum Handeln, zur Gewohnheit und schließlich wird dieses zum Teil des Charakters. Also gleich am Anfang damit gut umgehen.
  • Geistlicher Kampf sind die Alltäglichkeiten, wenn man sich auf höhere Ziele als nur sich selbst richtet, es ist ein Kampf gegen den so doch natürlichen Egoismus.
  • Bei Versagen, einfach wieder aufstehen und weitermachen, besser machen, lernen!
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Mein erster “Flusstag” oder wie ich die Spinnenangst (ansatzweise) überwand.

….dies ist eine Geschichte die sich lohnt zu erzählen, dabei ist gar nicht so viel passiert. Ich hatte sie nur nicht in meinem letzten Newsletter erwähnt, da er zu lang geworden wäre. Deswegen diese Wiederbelebung meines Blogs.
Wie ihr vielleicht wisst, habe ich große Spinnenangst, selbst 3 cm große schwarzen Spinnen machen mir Angst und ich würde immer jemanden holen, der sie beseitigt, am besten tötet. Ich weiss, ich habe diese Angst und auch auch Reaktion darauf von meiner Mutter geerbt. Da hab ich kein Mitleid. Ich frag mich immer warum Gott sie geschaffen hat, warum so häßlich, wenn doch alles in Seinen Augen schön ist.

Als ich mich entschied nach Brasilien und dazu noch in den Regenwald zu gehen, war mir klar, dass ich dort Tiere treffen werde die vielleicht gefährlich sind, auch solche die ich nicht mag, z.B. Spinnen. Ich kann über sie im Biounterricht lehren, aber anfassen, angucken, ach ne…muss nicht sein. Auch als ich ein paar Mal im letzten Jahr im Garten arbeitete und Spinnen traf und daran dachte, dass diese in Brasilien sicherlich größer sind, konnte ich mir nicht vorstellen, wie es sein würde mit ihnen zu leben.
Erst auf der Busfahrt vom Flughafen zur Base zusammen mit Bernardo und er mir Bilder von meinem zukünftigen Zuhause zeigte, schien mir langsam klar, auf was ich mich da einließ. Da waren einige Riesenspinnen auf den Photos dabei, ich werde mitten im Regenwald leben…ich stellte mir die schlimmsten Horrorszenarien vor, u.a. aufzuwachen und eine Tarantel würde über mich krabbeln oder beim Essen auf den Tisch hopsen. Die ersten Tage lebte ich auch in dieser Angst, dass mir unerwartet eine begegnen würde. Bevor ich einen neuen Raum betrat, auch Toiletten und Duschen suchte ich ab. Ich hatte zwar schon „Spinnenzeiten“ in Australien überstanden, wo ich auf einer Farm arbeitete, wo mir beim Pötte auswaschen ständig große haarige Spinnen über die Hand liefen oder an meinem Fenster baumelten, selbst in meinem Handtuch sich versteckten. Die einzige Möglichkeit die ich damals hatte, war, eine Freundin in Deutschland anzurufen, die für mich betete und seitdem habe ich keine große Spinne mehr getroffen. Es ist ja nicht so, dass ich Angst hätte sie würden mich beißen und danach sterben. Nein. Es ist eher die Unvorhersehbarkeit ihres Auftretens.
Bernardo und mein Chef machten sich etwas lustig über mich an meinem ersten Abend dort und sagten, wenn ich keine Spinnen sehen möchte, dann soll ich doch die Augen einfach schließen. Lol, ja, das half jetzt wirklich! Die Angst nahm mich schon etwas gefangen und überlegte für mich wie ich aus meinem Versprechen der Base für zwei Jahre zu dienen, wieder rauskommen könnte. Vielleicht ruft Gott mich ja woanders hin, eher was mit Moslems in Brasilien machen??? Gut, ich steigerte mich nicht rein und informierte einfach ein paar Freunde über whatsapp, dass sie für mich beten sollten. Der Gedanke, dass ich NICHT wegen Spinnen meine Berufung aufgebe, manifestierte sich. An meinem 3. Tag berichtete ein Amerikaner der auf der Base kurzzeitig lebte, dass er eine Faszination für Taranteln habe und sie sogar über seinen Arm wandern läßt. Dieser holte auch eine tote Tarantel aus dem Badezimmer der amerikanischen Mädels an dem Tag und zeigte sie mir, ich schrie schon aus der Ferne. Ein anderes Mal fegte jemand eine tote vom Boden weg, sie sah aus wie ein schwarzes Wollknäuel. Das nahm mir etwas den Schrecken. Als ich erfuhr, dass ich nach einer Woche Aufenthalt schon eine Fluss Community fahren sollte und da generell mehr Spinnen sind, nahm es mir echt den Mut und zweifelte stark, dass das meine Berufung sein soll…ich äußerte mich aber nur wenig laut und wartete ab. Gehen kann ich immer, aber eine Erfahrung reicher sein, das lass ich mir nicht nehmen!

Am Tag vor meiner Abreise, kam meine eine Zimmergenossin Alauna von ihrem Trip zurück und sprach mir Mut zu, sagte, dass die Taranteln oft mehr Angst vor uns haben als wir vor ihnen. Klar kann ich mir das vorstellen, aber meine Angstgefühle sind trotzdem da. Alauna sagte mir, dass sie eine Tarantel an unserem Haus gesehen hat und die ungewöhnlich groß sei. Gut, solange sie nicht reinkommt. Ich wandte alle Logik an und entschied für mich, dass sie nicht reinkommen würde. Ich schlief recht gut.
Als ich am Morgen des 20. August aufwachte, verspürte ich Frieden. Als ich mein Handtuch von draußen holte um zu duschen, sah ich sie…die Tarantel an der Wand, aber mit Abstand. Ich taufte sie spontan „Raul“, denn Raul ist groß und bestimmt männlich. In mich kichernd, dachte ich, dass ich das schaffe…Zusammen mit Pedro machte ich mich eine halbe Stunde später auf den Weg zur Bushaltestelle. Im Gepäck zwei T-Shirts, eine Hängematte, die Kamera und ein Handtuch. Zum Glück wusste ich nicht viel über den Trip, wohin, wie lange wir unterwegs sein würden, was wir machen würden, wie es dort aussieht. Nur dass uns ein knackiger, Abenteuer liebender Urwaldtyp (nach der Beschreibung meiner Chefin) und ein Mädel erwarten würden, die kein Wort Englisch sprechen. Aber meine Chefin meinte, dass mein Portugiesisch gut genug ist, um das zu überstehen. Na da bin ich ja zuversichtlich. Wir fuhren einen Stunde Bus durch den Urwald, der stellenweise riesige kahle Flächen hat mit einer Riesenfabrik auch dabei. Mein starkes Umweltbewusstsein brachte mich fast zum Heulen. Aber für Gott sind Menschen wichtiger als Bäume, ich versuche das im Blick zu behalten, aber es fällt mir als Deutsche wohl besonders schwer! Im Bus sprach Gott sowieso recht viel mit mir bzw. ich hörte Ihn auf einmal klarer. Mir wurde auch bewusst, dass ich für zwei Tage absolut nicht zu erreichen sein würde. Internet klar, aber auch nicht per Telefon, keiner von uns. Schon etwas befremdlich.
In Abeatetuba (einer Kleinstadt) holte uns Alfonson ab und fuhr uns zu einem Hafen am Fluss, der wohl abgefahrenste Ort den ich bislang in Brasilien gesehen habe, einfach schwer zu beschreiben. Ich fühlte mich jetzt nicht unsicher, aber Pedro sagte nicht viel noch schien er grossartig nach meinem Wohlbefinden Ausschau zu halten. Also beobachtete ich Leute. Mit Pedro und Alfonson fanden wir unter den 100ten Booten schnell das richtige und nahmen Platz unter dem Gewühl von Menschen, den vielen Reis- und Gemüsetüten, den Körben von Acai. Ich konnte das eh nicht verarbeiteten. Wir warteten auf Thais die uns im Boot treffen sollte. Als sie eintraf, war ich schon unfähig mit ihr überhaupt zu reden, zu abgefahren erschien mir alles. Mein Leben mir gerade nicht wichtig. Es war nicht Lebensmüdigkeit, sondern, was ich kann ich sowieso an der Situation ändern, sie ist ja nicht schlimm. Als wir nach zwei Stunden endlich mit dem Motorboot und ca. 20 Leuten an Bord losfuhren, fühlte ich mich frei, ließ die Landschaft auf mich wirken und knickte schließlich weg, d.h. ich schlief ein. Während ich die Augen zu hatte aber mir sehr meines Umstandes gewahr war, überkam mich immer mal wieder Panik. Gedanken wie: ich bin jetzt ca. 5h Fahrtweg bis zum mächsten Krankenhaus in Belém entfernt. Und das ist wahrscheinlich nicht mal ein Gutes…keiner kennt mich hier richtig, warum sollte man mir helfen? Ich bin verloren. Aber im Halbschlaf gewann ich gegen diese bösen Gedanken und hörte dem Motorengeräusch einfach zu.
Und wachte erst auf als wir der Ribeirinho- community nahe kamen. Eine Idylle vor meinen Augen: kleine süße Holzhäuser mit Steg, eins zwei Booten, Wäsche die draußen hängt und ständig stiegen ein oder zwei Leute aus. Als Pedro und ich ankamen, sah ich als erstes das grün-weiße Haus einsam und aber nicht verlassen inmitten der großen Bäume stehen, wirklich schön. Die Sonne schien aufs Haus, der Bootsmann half mir aus dem Boot, ein anderer sympathischer Mann strahlte mich an und gab mir die Hand. Ich spürte sofort den Witz in seinem Lächeln. Seine langen schwarzen Haare waren zu einem Dutt aufgetürmt, so wie viele das heute haben. Ich war hin und weg, berührt von seinem Charme und Gutmütigkeit. Wäre er nicht einen Kopf kleiner als ich gewesen, hätte ich mich sofort verliebt. Aber ich sah darin keine Gefahr. Er hatte für uns drei schon gekocht, die unterste Etage war total offen, also fühlte es sich an wie im Regenwald essen. Ich fühlte mich so wohl, dass mir die beiden Taranteln die hinter mir am Sims saßen überhaupt nichts ausmachten. Klar guckte ich in den kommenden Tagen immer wieder ob sie da waren, aber spürte keine Angst. Eine sofortige Erleichterung machte sich breit, vor allem auch weil Jack so eine Sicherheit und Leichtigkeit ausstrahlte. Ich spürte seine Neugier für mich, überhaupt redeten wir vier alle als würden wir uns sofort vertraut. Klar war ich nicht flüssig in meinem Portugiesisch, aber wenn ich keine Wahl habe und nicht auf Englisch ausweichen kann, dann kommt es auch aus mir heraus. Thais, Pedro und Jack verstanden mich, die Zeit werde ich voll auskosten…
Nach dem Mittagessen war erstmal Mittagsruhe angesagt und zwar für 3 Stunden durchgehend. Erleichternd, dass es auf der Base wie auch hier so ist. Die Leute machen sowieso nichts, man kann auch keinen besuchen. Es ist einfach zu heiß und immer schwül. Ich find’s toll. Die Hängematte oben im Mädelszimmer aufgehängt und schon den besten Blick auf den kleinen Fluss mit herrlichen Bäumen, unklaren Geräuschen voll genossen und wieder weggeknickt. Lange schlafen kann ich nicht, würde es eher ruhen nennen. Also lag ich einfach da und dankte Gott für die Angst die Er mir genommen hat.
Am Nachmittag besuchten Thais und ich ein paar Frauen aus der gegenüberliegenden Community, dazu mussten wir ein Boot benutzen welches ich so nicht ernst genommen hätte, denn es lag halb unter Wasser. Jack musste erstmal das Wasser rausschütteln und vorsichtig balancieren und dann jeden einzelnen rüberfahren. Ein paar Frauen kamen mir bekannt vor, aber das grundsätzliche Reden machte schon Thais. Ich setzte mich nicht unter Druck und hörte einfach zu, verstand nicht alles. Man ließ mich stehen, fragte wenig. Beim zweiten Besuch waren auch Kinder, die, als sie hörten ich sei Deutsche sofort mit mir Fußball spielen wollten, ich ermutigte sie, dass sie diesmal 😉 gegen mich gewinnen könnten. Da hatte ich gleich zehn Kinder gegen mich und verlor natürlich. Der Jubel war groß und mein amusement auch 😉
Abends zogen wir uns auf der anderen Flussseite noch ein paar Snacks in Form von Keksen und Crackern rein, Abendessen sollte es wohl spät geben. Wir waren zu einem Bible study eingeladen. Dazu mussten wir wieder den Fluss überqueren, allerdings war es jetzt dunkel. Obwohl ich langsam machte, als ich ins Boot zu Jack stieg, geriet ich aus dem Gleichgewicht, wir schaukelten etwas zu heftig, und ehe ich es mich versah, sah ich das Boot sinken, meine Füße unter Wasser, mein Shorts nass werden und den Steg direkt vor meinen Augen. Ich schrie wohl: „wir sinken“, aber ich kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern. Aber daran, dass Jack mich um den Oberkörper griff und und zum Steg zog, wo ich im Schlamm selbst auftreten konnte. Ich hatte keine Angst um mein Leben, eher war es mir total peinlich, dass wir untergegangen waren. Meine Ehre als Rettungsschwimmerin schien wohl auch verletzt. Jack rief schnell zu Thais, gib ihr was zum Wechseln. Für ihn schien die Sache erledigt, obwohl er selbst total naß war. Thais meinte auch, dass sei ihr ständig passiert. Bei der zweiten Überfahrt kamen wir trocken an und auch wieder zurück. Ich fragte Jack ob er sich nicht auch umziehen wolle, aber er verneinte. Ihm mache das nichts aus.
Der Gottesdienst fand im Freien statt, der Lobpreis war rasant. Eine gutaussehende Frau sang sehr gut und sehr laut zu sehr tanzbaren Rhythmen, aber niemand tanzte. Ich empfand es als schwierig mich nicht zu bewegen. Dann kamen Frauen die sangen, dann sangen wir, Pedro sagte spontan was, ich musste mich laut vorstellen. Der Prediger schrie ca. 1h was ins Mikro, was ich schnell ermüdend fand. Jack stand hinten mit Thais und guckte immer mal wie es mir ging. Als ich nicht mehr sitzen konnte, stellte ich mich hinten hin. Schnell wurden ein paar jugendliche Jungs auf mich aufmerksam, wobei mich einer ins Gespräch verwickelte, der dann aber ungehörige Fragen stellte. Ich war fähig ihn zurechtzuweisen und das nicht an mich rankommen zu lassen. Schließlich bin heute nicht untergegangen, habe drei Taranteln gesehen und nicht geschrien und komme im Portugiesischen zurecht. Lauter Siege! Nach dem Gottesdienst gab es Cola und Kuchen, sehr typisch! Jack fragte mich nach dem Gefallen der Predigt und überhaupt und wollte eine ehrliche Antwort. Ich gestand, dass mir das Schreien, obwohl sehr brasilianisch, nicht gefällt. Ihm geht es genauso.
Zurück zuhause (ja ich fühle mich schnell zuhause), aßen wir zu Abend und lachten über den Unfall mit dem Sinken. Thais und Jack waren neugierig darüber wie ich anfangen konnte, 9 Sprachen zu lernen und wollten wissen wie sie sich anhörten, vor allem in der Musik. Also holte ich mein Handy raus, sang deutsche, hebräische und arabische Lieder mit, üersetzte teilweise. Wir lachten echt viel, hätte nie gedacht, dass ich eine Gruppe von Brasilianern auf portugiesisch unterhalten könnte.

Aber dass ich nochmals gerettet werden musste, hätte ich nicht gedacht. Schließlich stand meine erste richtige Nacht in einer Hängematte an. Was sollte schon schiefgehen. Zwar erklärte mir Thais, dass es bei meiner Hängematte eine Vorder- und Rückseite gibt, eine für tagsüber ohne Mosquitonetz und eine mit. Ich probierte etwas rum und setzte mich rein, Nur kam ich nicht mehr hoch. Irgendwas war falsch, denn hinlegen konnte ich mich auch nicht. Ich geriet zwar nicht in Panik, eher ins Lachen, aber selber helfen gelang mir nicht. Thais zog mich, schien aber nicht stark genug, ich hing da wie einer nasser Sack. Schon wieder Jack holen…ja, er fackelte nicht lange und zog mich raus. Er drehte und zeigte mir den richtigen Einstieg, schloss das Mosquitonetz, wartete bis es mir gemütlich war und guckte von oben wie ein Papa auf mich herab. Noch son’ Ding! Er muss sich echt über uns dumme Ausländerinnen amüsieren, aber das waren nur meine Gedanken! Nicht seine, dazu ist er zu gut!
Zusammengefasst: es war ein wahrhaft HERRlicher Tag. Teilweise stellt er einen Ausschnitt meines Alltags hier da, vor allem wenn ich mit anderen in die communities für ein paar Tage fahre. Aber das ist nicht das Entscheidende was ich an dem Tag erfahren sollte. Ich traf eine sehr bewußte Entscheidung FÜR diese Art von Arbeit, an diesen Orten, mit diesen Menschen und erstmal für die nächsten zwei Jahre, vielleicht sogar länger. Das hat sich über die nächsten Tage und Wochen noch bestätigt, aber dazu später mehr.
Vorher konnte ich mir das Leben hier überhaupt nicht vorstellen, wie es sein soll, wie ich zurechtkomme, was ich überhaupt bewirken kann. Ob das nicht alles zu viel ist. Aber ich spürte Gott in fast Erlebnissen des Tages so nah an mir wie schon lange nicht mehr. Die Natur berührte mich, das so andere Leben, die Einfachheit und die tollen Begegnungen, das Leben auf und am Fluss. Das Miteinander. Meinen Spinnenangst zählt nicht mehr. Zumindest beeinflusst sie nicht mehr so mein Denken und Handeln. Ich nehme die Taranteln mittlerweile sehr viel bewusster wahr und beobachte sie gern, klar, finde ich sie immer noch eklig, aber ich habe gelernt sie als Kreaturen Gottes zu akzeptieren und als Teil der Natur, die Gott als schön erschaffen hat.
Es war ein Tag des Durchbruchs.

Blick nach Aratapunzinho - ribeirinho community

Blick nach Aratapunzinho – ribeirinho community

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http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/erfolglose-partnersuche-wie-eine-junge-frau-mit-der-liebe-hadert-a-1035718.html

Fühle mich manchmal genauso wie in dem Artikel beschrieben. Ich war nur öfter schon verliebt, leider nur einmal glücklich und das auch nicht für lange.

Wie hadert man nicht mit der “Liebe”? …guckt mal in einem meiner zukünftigen posts 😉

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Nobody said it was easy…

It is good that I like making decisions. Many times I embrace making decisions because I have been doing quite well sticking to them as well. Especially those ones that concern the future, those ones that are longterm, those ones that might change my whole life…

Enough general talk! I mean the decision with going to Brazil. I kind of had a clue that I would be going to Brazil already a year ago. I was planning my first trip over there, visited Rio, Paraty, and Salvador. It was beautiful and tough. But things got together: I fell in love with the lifestyle, the language, even the beaches, and especially the people. I enjoyed what I did: talking to people about Christ during the World Cup. As a former YWAMer you may always think, where would God call me next? When I fell in love with a Brazilian guy, too, I couldn’t really believe it – it was almost too much to handle. And yes, of course, it is so natural to love when you are in a sunny pretty country feeling comfortable in your own skin. Suddenly, hope was coming up. Me being in my late 30s couldn’t really believe that a young Christian guy would be so direct.

When I went the second time, I have to admit it was mainly because of him, hoping we would spend lots of time together and figure out together where God wants us and if are meant to be. I had strange but clear confirmation that I was supposed to come back also for asking God if He wanted me in Salvador mainly for ministry reasons. But both couldn’t get accomplished. It was a very frustrating season and it was no ones fault really, Generally, there was a lack of communication and false expectations, misunderstanding of culture. My friend was too busy to work, hung up on past bad relationships, avoiding me most of the time. Later on, it turned out he couldn’t handle my nearness, always fearing his fleshly desires to be lived out. I simply saw it as rejection, not as a person but for a possible relationship. Out of this disappointment I found it extremely hard to focus on ministry. My Portuguese wasn’t very good, everyone on base had their own agenda. Yes, I had a few invitations here and there but there wasn’t a real schedule for me and for everything I planned I needed people. Although I made some good friends, spoke at churches here and there, started making the garden, I left desillusioned.

Why do I still want to go back to Brazil then?

You can imagine it was one the toughest decisions I made. I knew I had a call for the nations. I still liked Brazil. It might not be forever because there are two hearts beating in my chest: one for the Brazilians (as they have always been a blessing for me), another one for the Muslims/Arab world. I also love teaching, teenagers, languages, different cultures, and community development. I would also love to get married and share my life. How do I make a decision that blesses many people, satisfies my still non-Christian family, and makes me sort of happy, too?

Looking back now over the last months, it can only go step by step:

October 2014: making a list – dis/advantages for Middle East and Brazil + what is God saying – it only spoke FOR Brazil

December 2015: my boss extended my deadline in resigning from my job until the end of January. I wrote several job applications to schools in Brazil, called, emailed like crazy. I also applied to teacher jobs in Bosnia, Armenia, and Israel. Either, I was a day late or simply didn’t respond at all. Brazilian international schools only want native English speakers. Ok, I don’t want to work in an elitist environment. I wish to work for the poor, with the poor, in a non-threatening, less-achievement oriented environment, living out my gifts and interests. I have also been working as a teacher for 8 years in three different countries. So, I am kinda worn out, always driving near a burnout….

January 2015: I resigned from my job, had nothing but peace.

February 2015: checking into working at language schools in bigger cities of Brazil. I had a job offer and a place to stay in Cuiabá where there was also a YWAM base where I had loose contacts through a friend of a friend. Now it was the turn to apply for a work visa. But the language school can’t do it.

I also asked God for three supernatural signs if I am supposed to go to Brazil. I think, I even got more than three. For example: meeting random Brazilians on the street. A student wearing a football jersey of the selecao. Reading about Piranhas that are only present in the Pantanal (Cuiabá) and in the Amazon river….

March 2015: While watching my favourite TV show (Sportschau) it dawned on me that I could actually go as a missionary because I have saved up some money, could get a head start, and see what happens next. What did I save up this money for? Next day at church a few worship songs made me cry, realizing my pride that I just didn’t want to go as a missionary only. I wanted to take care of myself, I wanted to be able to be independent because I have achieved a lot already…my CV looks good, I have experience, why not getting paid for what I do? For me it totally makes sense. But here I was standing in front of God, realizing my extreme need of him, humbly realizing that being a missionary is a job, too. It is living in total dependence on the one who made me, loves me endlessly. I really don’t mind being a missionary. What I mind is asking people to help me, finance “me”…but is it really about me?

April 2015: I am traveling to Altensteig and get an employment with YWAM again. What a blessed situation: Germany allows missionaries being officially employed, meaning, they are still health insured, paying taxes, fees, etc. which means I am not risking everything. I had too many health issues the last years, two surgeries in 2.5 years so It is good I take on responsibility in this area.

I am also applying for a visa to Brazil now. First, it is hard to figure out which one I would get = volunteer’s or social worker visa. Then what papers I would need and where? YWAM Cuiabá couldn’t invite me due to missing papers, as I described in an earlier post.

May 2015: I started fundraising. Created a brochure, invited people, spoke to my closest friends. I also had a tough conversation with my mum who doesn’t understand why I am doing this: leaving a good job, working for the poor, going so far away. I understand their concerns, maybe parents, especially well-meaning, are always worried. But on top, my brother and wife got separated in March, leaving debts, taking their kids. They feel kinda punished and left alone. They celebrate their 40th anniversary of marriage where I come for a visit.

I also paid a visit to Munich to hand in my papers for the volunteer’s visa into the Brazilian consulate. I combined it with seeing my Brazilian friends who moved there at the beginning of the year. It was a perfect combination and a good time. It seemed wherever I went I could here Portuguese. A sign again?

As of Wednesday, my documents (that were a battle to get because in the end, there were so much more expensive than anticipated) were complete and good. I will have good chances to get the visa and receive it in about 3-4 weeks. As of last Friday, I am not sure anymore. The official from the consulate told me that there is one paper missing from Brazil. My new base guaranteed me a complete roll of papers that when I received them I guessed that still, they wouldn’t be complete. Now, I don’t know what is going to happen…

I also checked flight prices and went into a travel agency. It is almost outrageous how expensive it is…it becomes more expensive the longer I wait to book. Please pray things will fall into place.

And when I am still looking for signs of encouragment from the one who loves me most…strangely, I get them.  And I should be specific: meeting Brazilians or something that really points to Brazil,

– the lady who was a costumor in the travel agency before my turn, also wanted to go to Brazil

– I met a cleaning lady at school after I prayed with my prayer partner. It turns out she is from Bahia, Salvador, even the same area where I lived last year. She seemed really happy talking to me in Portuguese. Even when my friend saw me talking to her, she thought, Brazil is a good fit.

– Yesterday when I was on a little trip with my parents waiting for the ferry to take us over the river, I heard and then listened to a familiar language where I understood everything. There has been a group of Brazilians at the oddest place in the world.

Is this God? I mean it is fun waiting for signs, especially when you don’t expect them anymore or if you simply want to give up on everything. Such things make you more aware that there is something bigger than my own thinking and conclusions. It makes life more intense. The last document will be there on time, and I will get my visa on time. I will be able to afford the flight, and funds will hopefully get in on time, too. God is behind me. There is no one who loves me more, not even a guy or my parents can…

Still, there is this big question hovering over me: will I ever get married? Do I want to get married? When I believe God is totally involved in my life and giving me the desire to get married and have a family, why is this such a pain? Do I run away into adventures because there is nothing else that excites me? I cannot agree with it. I do love missions and I want people to know how much they are loved. But why do I seem to always meet guys who cannot commit?

When I look into my family and into friend’s marriages I can easily tell that marriage isn’t easy but is still a good thing…

I don’t mind being single but I don’t like being tormented by desires that come up. Maybe that is even the answer?

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On the way to Brazil I am still in Germany

So I have decided to stick to writing in English when I use my blog. Most of the people I know, speak and understand English well enough to be able to read it. For my German friends I will keep writing my newsletter, maybe once a month. Here I wish to post more often but rather short stories. They shall describe my current journey of waiting and enjoying.

Currently I am waiting for my last document (my international birth certificate – double authenticated) to arrive so I can hand in my papers to apply for my two year visa to Brazil. These days I am feeling pretty tense because of all the daily work, the addition of getting my visa, writing my staff app, fundraising etc. Also there is some trouble in my family:

1. My family having a hard time seeing me leave again, quitting a well-paid secure and fun job, not saving up much and going into the jungle without much health care.

2. My cousin (35, a fresh dad) is in coma due to a split artery in his brain.

So it is good to read (maybe) a short good-God-story 😉

Last saturday I went into town on my bike to meet some friends. On my way I had a short conversation with God. Most of the time I am praying about the same things all over and over again. But this time I felt to bring God only one request, the one that bothers me the most. I have many good stories with God providing for me but this time, I felt really strongly that this is my biggest concern at the moment (it doesn’t mean I am not concerned about something else, too). I am somewhat overwhelmed with raising funds for me. It is not easy to ask family and friends to join me in this undertaking, but also very humbling. So I prayed to God: “show me today that you will take care of me.” And right after I kept singing this worship song I listened to in the morning. Further on, I arrived at a shop where I usually buy my coffee. I still had a few minutes before I would meet my friends. I thought, I could get something done and remembered that I don’t have any more money in my purse, so I headed to the next bank by foot. I wasn’t used to their system at the cash machine but everything seemed normal and I drew 100 Euros. When I left the bank I quickly glanced at an older couple passing by and quickly had a positive thought about them but forgot it right away…as you do when you don’t know these people. Back in the shop I wanted to pay my coffee and noticed I hadn’t any money in purse…again….ahhh. Where did it go? I remembered that I had no scene in my head where I had actually withdrawn the money out of the slid. I had drawn the bank card but not the money! Weird…quickly I ran to the bank and wanted to be the first at the cash machine to get the money before somebody else might get it. My mind was running, too, I tried to think if I could live without the 100 Euros or if it would really hurt me. Hmmm, before I couldn’t end this thought and wanted to turn around the corner, I saw the couple from before, grinning…the lady holds the money in front of my face so I am able to grab it. I ask in astonishment: Is this my money? She: “Yes, normally the bank would actually close the slid again when the money wasn’t taken.” And yes, I know this procedure but never had to experience it. I just said to them: “So cool, there are honest people in the world.”. They both looked as if this was the most normal thing in the world.

Later on I thought: how did they know where I was going?

Anyways, I figured this was a very clear sign that God is providing for me even if I seem out of focus.

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Short before spring

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Bethlehem for the 2nd?

As of last wednesday I was let down by the news of the Base in Pantanal that they couldn’t supply the necessary document to file for my visa. Originally, they have been praying and were willing to receive me but after their and my research, it was impossible, unfortunately…
Although I prayed right away to God, saying: how can I deal with it, instead of why is this happening to me. But I know my attitude wasn’t in the best spot receive a peace-giving answer. Still, I prayed for a miracle because it was out of my hands. My plans for the day fell flat though. I wanted to call a translator for my German documents certified by the consulate in Munich, then work on my brochure or communicate with my parents who still don’t know about my future plans. In this last case, I really wanted to be considerate, waiting for the right time, because they have been suffering with my brothers who recently was left by his wife and his kids. Very sad story.
Instead, I was feeling numb, sad, discouraged, tired, and worried. All what I could do was asking close friends to help me pray. I texted and I wrote a brief private message on facebook. After waiting on God for some more time, I turned to bed at least twice in the morning, also I was reading „God’s ones will be blessed by giving it to them in their sleep“. Hm? I wasn’t convincd. Still, I had time until the end of the month, to find another base. But why has God led me specifically to this base? When I talked to my flatmate over lunch, I realized that writing to a bigger base in Brazil might be the next and most obvious step. In general, I don’t care to which city I would be going, I just didn’t want to go to São Paulo – too big! But this is where I had a contact to a Korean guy whom I met last year in Salvador. He instantly replied but couldn’t help me either. Since I thought I was on the website for YWAM São Paulo, I sent off a message asking very general how I could participate in YWAM Brazil and which base could do the paperwork for me. Almost instantly, a person from Belém replied. Belém has been going through my mind already before, because once I looked up what it meant.
I suspected it to mean „Bethlehem“ and so it was. I also heard from my friend Andrea in Salvador that they need workers in a very serious work helping child prostitutes.
After some emailing with the contacts in Belém it turned out that they cannot do only the paperwork but the base offers a lot work I have always imagined and desired: they are, in fact, involved in this ministry against child prostitution, doing women’s ministry and community development for the river people. Belém is situated very close to the Amazon basin leading into the Atlantic, is surrounded by tropical rainforest and has many rivers, it is a river landscape. But the local people outside the city are very poor and lack even basic education. So there is a lot of need in education and taking care of the kids. The base offers two schools: a discipleship training school (DTS) and a community development school. Both schools I did in the past and could help out as staff but would go by wherever is a need, of course. It is a cooperative base, meaning they have strong ties to American churches and ministries, are therefore bilingual, and somewhat international. They regularly receive outreach teams mainly from Kona base in Hawaii.
Concluding, YWAM Marine Reach in Belém seems to be a much better fit than Cuiabá. In Cuiabá I would have been the only foreigner, hardly anyone speaks English, and if, it wasn’t very good. Here, the people seem more westernized, organized, and open to receive workers like me. I need some attachment to westerners so I can process better what I will be going through. At the same time, I will still have the chance and need to pick up Portuguese which is my dream since a long time.
Funny is that I hope to be going to Belém, basically Bethlehem for the 2nd time. I lived in the Israeli/Palestinian (=original) before in 2008/9. Love it…

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The latest – how did I get the idea with Brazil?

Dear readers,
in the future I will use this blog more often again. There are several reasons. Mainly it has to do with the fact that I just want to communicate well what happened to me: I will be leaving Germany and have a testing period of emigration to Brazil. How I came to this conclusion, I want to tell you here in this post. Last year I fulfilled a long-cherished dream going to the World Cup in Brazil. I am an avid football fan for decades now,
I “adore” teams like Werder Bremen, the German and Brazilian national football team. Normally I watch almost all the games of European and World Championships and forget doing normal life around me, which I find relaxing. Of course, I follow the German Bundesliga, too. Going to Brazil for the World Cup was some of sort of non-plus-ultra. In the countries where I was traveling so far, I was always getting along with Brazilians very well, sapped of their vitality, the easy handling of life, their enthusiasm and openness to other cultures, music, dance, and, of course, football. Someday, I’ve always thought that when I meet Brazilians again, one day will go there.
When “begging” my boss for about a year to allow me to go to the world cup, I could hardly believe it that he would. He knew my passion for football. How long did I think about this but due to the unfavorable vacation plan in Baden-Württemberg, it would never be possible. However, with the Ascension and Pentecost holidays, senior prank, oral examinations, it was possible that I could be in Brazil for a total of 4.5 weeks, I missed out on only 7 school days, which I also did not get paid what is fair. I combined the trip with a 4-day stay in Rio de Janeiro, drove 3 days to the romantic place of Paraty, and then to Salvador. There I had the opportunity staying with a family for a week who only spoke Portuguese. Although I had previously enjoyed private lessons with a real Brazilian lady in Lörrach, I was not used to the other dialect, nor in the way of life, nor in their life circumstances. They put in a lot of effort, but it was my first real experience of living in a foreign language where I had no other choice than to learn it. After this week, I longed to return to speaking English, which I found on the YWAM base in the city of Salvador. From here, the street evangelisms of the World Cup were organized. Two employees (a married couple: she Indonesian, he Brazilian) invited me to work with them and simply by getting better acquainted with the Brazilian culture. These 17 days with them I enjoyed fully. As a team of about 25 people consisting of Koreans, two pastors from Zambia, the rest Brazilians, we planned to watch every World Cup game and go to all games in Salvador outside the stadium for the outreach. Outreach or street evangelism means that different churches take part and contribute different things. They all wear the same colorful t-shirt, there is a band, drummers, dancers and caiporistas. The other like us where supplying tracts, colorful bracelets with Bible scriptures on it, Bibles or holding up posters. Passers-by often stopped, danced or ran with us. So it was easy to give them something in the hand. When we enter into conversation with people, we offer prayer and / or tell them about Jesus. Brazilians are not like us German and rushing somewhere to be on time. No, the Brazilians will stop and want to know more, show interest in this mass inertia of Christians who are modern, refreshing, loud and colorful. I thought that was a very good cooperation with YWAM and the local churches. If there was no street outreach (there were “only” 6) we did some worship as a team and prayed at strategic locations within the city, visited an orphanage or evangelized on the beach. For me it was the perfect combination of vacation, do something useful and to be spiritually refreshed again. The casual nature of the local YWAMers made up for things I had experienced as negative in my two years with YWAM Perth / Australia in my past. It was mainly a good time, otherwise I would not consider working again with them.
Certainly the highlight par excellence was the visit to the stadium Fonte Nova itself and not just as a large troop of Christians to represent Jesus in front of the stadium. It was also good and right. But if you have the chance to go to a real world cup match, I wanted to use it well. I visited the first group match of Germany against Portugal, which was a victory by 4 over 0 of our team. Before the match I even met a former student and his dad, who I know from my home church.
During the 17 days of intense time I renewed and intensified my relationship with God, I heard him again, I had more joy spending more time with him and I got new ideas for the future. Although I had long since realized that I would go back to the mission field or, more generally abroad, but did not know for how long and when. An inner voice told me that I should get or pick up something in Salvador. To this day I am not sure what this is. But I felt an inner urge to come back that had not much to do that I have met an interesting man also 😉 On the last day I got a lot of ideas what I could do on the base when I came back in the summer holidays. Several rainbows I got that day and the next day to see. For me, always a sign that I’m on the right track! So I returned to Germany in July, canceled my summer vacation with friends, and flew over again for 5.5 weeks ago – only to Salvador this time. I wanted to know how the base was working as a team, deepen my Portuguese practice, visiting the orphanage and teach what or preach wherever possible here and there. Another project was the design of the garden of the base, which consisted mainly of a minimum amount of green space and coconut trees. With a few tricks you could get out of the little more than I originally thought.
Unfortunately, the story with the interesting man was very short before it even began. But I do not want to elaborate on it here. It was certainly better so that it did not work out between us. But it contributed somewhat that I was not able to enjoy so much time on the base and with other people. They often went the extra mile for me, but there were a lot misunderstanding and insufficient communication between us. During the day I was very much alone. Trips, assignments and visits were continuously moved or did not take place. A common activity – television – unfortunately, I can not endure so long. The Korean team and the two from Zambia were no longer there. Life was slower than usual. I was torn between doing my favorite things (reading, learning language) and just resting. With my lack of Portuguese I was not able to have much strength and nerves fpr new contacts or pushing myself or them. Finally, in particular the implementation of the project should be a community garden project. It does not make sense starting it on my own, since after my departure it cannot be continued. However, I had good meetings, nice trips outside the base, people looking after me and took me to Praia do Forte, for example. In my last week I had suddenly a lot to do that I was quite surprised how this work came about. We brought the garden into existence. I preached once in a church on mission, taught on sex education in two different youth groups and I was invited to meals by different people. At a mini-DTS I taught about the “Hearing the voice of God”. When I started at home again in Lörrach with the new school year, I reflected on my time in Salvador. From the distance, this experience can be better classified. In the routine of daily life you can handle things better. But deep inside I knew at that time only one thing: this is my last school year at the FES Lörrach. Many ideas went through my head: from taking a sabbatical to going back to mission, or to work abroad as a teacher.
I made a list, especially: Middle East OR Brazil. I discussed this with God. Muslims and Middle East had always been my deepest interest over the years. Also, I would rather work with less privileged people. I was torn because both are exciting, both would suit me. However, I had a very strong impression why I had to leave Egypt back then: because as a single woman among Muslims is not a good fit. At the end of my time in Cairo I worked for and with privileged foreigners. Because my love is for teens and teach them well. I can be anywhere in the world. Well as I gathered impressions, ideas, dreams and other things for weeks, the column with Brazil filled quite quickly, which remained virtually empty for the Middle East. Among others, I had a dream where a place that I did not recognize on the map of Brazil was shown to me and where much exploitation of nature had been made. However, it was not the tropical rainforest, although I desire to protect it. Also something else I knew for sure: I cannot go back to Salvador even if they would like to have me back.
Weeks later I was talking with two friends on a hike about what I was hoping to do in the near future. I was still indecisive. Vera said her friend Vanessa (who she knows from Perth) cooperates with a base in the so-called Pantanal area. I have heard this name before but did not know exactly where this place was. When I googled it at home it was exactly this place God (?) showed me in this particular dream. I emailed Vanessa, she rejoiced that I was interested in working at the base. They have exciting projects to offer that match all my interests! I also see a more clear hierarchical structures, project managers, construction projects to be much better organized than Salvador appears. Is this an open door? I still was not convinced to go as a missionary, because I do not see how the funds could come in. Still, I thought of many other things ….
In recent months I have researched and prayed a lot. But partly in despair I applied at language schools in Brazil, looked for paid jobs and also identified international schools in Eastern Europe and in Israel, I sent applications like crazy. Either they turned me down or I heard absolutely nothing. It seemed to me, no matter how hard I tried, nothing worked. I actually thought that with my experience as a teacher and my various times abroad I would easily find a paid job and at the same time can be active in mission part-time! I could be wrong and also easily overlook the fact that we are often overwhelmed as a teachers and are not paid well in a country like Brazil. I ignored my idealism. The end of January I resigned from my job at the FES Lörrach but still need to work until this July. I had nothing else after that. Feeling good is something else – doing such things is not very German. Furthermore, I asked God to show me until the end of February that I really should go to Brazil and give me three supernatural signs within three days. He gave me more than three;-) With greater peace of mind I set out to research of possible visa applications. In the end, it seems the easiest if I go as a missionary. But I was not given much hope from the embassy. There are other rumours that it’s hard to get a visa with YWAM, too. In a moment of clarity and the check-up of two or three other mission organisations I made up my mind that the offer to be sent out with YWAM Altensteig is the best after all. They promised me that I should get a visa. With relatively little funds I’ll still be employed in Germany, have health and unemployment insurance and pay very little fees. Only my pride kept me from considering whether I allow myself to get funded again. Independently of my wide range of experience, I am still in the position of where I can come alive with the gifts and talents I have. I now practice a humble yet joyful attitude towards fundraising because it’s worth it to me – I want to be a blessing to Brazil.
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Das Neuste

Liebe Leser,

in der Zukunft werde ich diesen Blog wieder öfters nutzen. Dies hat mehrere Gründe. Vorwiegend hat das damit zu tun, dass ich einfach gut kommunizieren möchte was demnächst bei mir passiert: Ich habe nämlich vor für 2 Jahre Deutschland zu verlassen und auf Probe nach Brasilien auszuwandern. Wie ich dazu kam, möchte ich euch in dieser Post schildern.

Letztes Jahr erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum zur Fußball WM nach Brasilien zu reisen. Als begeisterter Fußballfan der ich seit Jahrzehnten mittlerweile bin “verehre” ich Mannschaften wie SV Werder Bremen, die deutsche und brasilianische Fußballnationalmannschaft. Normalerweise gucke ich fast alle Spiele einer EM und WM und vergesse dabei auch ein Stück normales Leben um mich drumherum, was ich als entspannend empfinde. Natürlich verfolge ich auch die Bundesliga. Nach Brasilien zur WM zu gehen war sozusagen das Non-plus-ultra. In den Ländern in denen ich bisher unterwegs war, kam ich immer sehr gut mit Brasilianern aus, zehrte von ihrer Lebensfreude, dem leichten Umgang mit ihnen, deren Begeisterung und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen, Musik, Tanz und natürlich Fußball. Irgendwann, so hab ich immer gedacht, wenn ich wieder Brasilianer traf, werde ich dorthin gehen.

Als mir mein Chef nach mehr als einem Jahr “Betteln” erlaubte auf einen Missionseinsatz zur WM zu fahren, konnte ich es kaum glauben. Wie sehr hatte ich mich danach gesehnt, dachte aber aufgrund des ungünstigen Ferienplans in Baden-Württemberg würde es nie möglich sein. Doch mit Himmelfahrt und Pfingstferien, Abistreich, mündliche Prüfungen war es möglich, dass ich insgesamt 4,5 Wochen in Brasilien sein konnte, aber nur 7 Schultage fehlte, die ich auch nicht bezahlt bekam, was fair ist.

Ich kombinierte den Trip mit einem 4-Tage-Aufenthalt in Rio de Janeiro, fuhr 3 Tage nach Paraty, und anschließend nach Salvador. Dort hatte ich über Freunde die Möglichkeit für eine Woche bei einer Familie zu wohnen, die nur portugiesisch sprach. Zwar hatte ich vorher schon Privatunterricht mit einer echten Brasilianerin in Lörrach genießen können, aber ich war bei weitem nicht an den anderen Dialekt gewöhnt, noch an die Lebensart, noch an die Lebensumstände. Sie gaben sich sehr viel Mühe, aber es war meine erste richtige Erfahrung in einer Fremdsprache zu leben, die ich nicht richtig konnte und wo ich keine andere Wahl hatte als diese zu lernen.

Nach dieser Woche sehnte ich mich wieder nach Englisch, welche ich auf der JMEM Base in der Stadt von Salvador fand. Von hier sollte auch der Strasseneinsatz zur WM organisiert werden. Zwei Mitarbeiter (ein Ehepaar: sie Indoneserin, er Brasilianer) luden mich ein mit ihnen zu arbeiten und einfach dadurch auch die brasilianische Kultur besser kennenzulernen. Diese 17 Tage mit ihnen genoß ich vollends. Als Team von ca. 25 Leuten bestehend aus Koreanern, zwei Pastoren aus Sambia, den Rest Brasilianern, planten wir ein jedes WM Spiel zu gucken und bei allen Spielen in Salvador auf einen großen Straßeneinsatz zu gehen. Straßeneinsatz bedeutet, dass sich verschiedene Gemeinden einfinden und Unterschiedliches beitragen, sich aber abstimmen. Alle tragen das gleiche bunte T-Shirt, es gibt eine Band, Trommler, Caiporistas und Tänzerinnen. Der Rest verteilt Traktakte, bunte Bändel mit Bibelsprüchen drauf, Bibeln oder hält Poster hoch. Passanten bleiben oft stehen, tanzen oder laufen mit. So ist es ein Leichtes ihnen was in die Hand zu drücken. Wenn wir mit Leuten ins Gespräch kommen, bieten wir Gebet an und/oder erzählen ihnen von Jesus. Brasilianer sind nicht so wie wir Deutsche und hetzen irgendwohin um pünktlich zu sein. Nein, der Brasilianer bleibt stehen und will mehr wissen, zeigt Interesse an diesem Massenauflauf von Christen, die modern, erfrischend, laut und farbig sind. Ich fand das eine sehr gute Kooperation von JMEM und den Gemeinden vor Ort. Falls es keine Strasseneinsätze gab (insgesamt waren es “nur” 6) machten wir als Team Lobpreis und Gebetseinsätze an bestimmten strategischen Orten innerhalb der Stadt, besuchten ein Waisenhaus oder evangelisierten am Strand. Für mich war es die ideale Kombination aus Urlaub, was Sinnvolles tun und geistlich wieder erfrischt zu werden. Die lockere Art der einheimischen JMEMer machte vieles wieder gut, was ich bei meinen zwei Jahren mit JMEM Perth/Australien als negativ erlebt hatte. Es war vorwiegend gut die Zeit, sonst hätte ich nicht in Betracht gezogen wieder mit ihnen zu arbeiten.

Sicherlich der Höhepunkt schlechthin war der Besuch des Stadions Fonte Nova selbst und nicht nur als große Truppe von Christen Jesus vor dem Stadion zu repräsentieren. Das war auch gut und richtig. Aber wenn man die Chance hat zu einem echten WM Spieler zu gehen, wollte ich sie auch nutzen. Ich besuchte das erste Gruppenspiel von Deutschland gegen Portugal, welches unsere Mannschaft locker mit 4:0 gewann. Vorher traf ich sogar noch einen ehemaligen Schüler und seinen Papa, den ich aus der Heimatgemeinde kenne.

In den 17 intensiven Tagen erneuerte und intensivierte ich meine Beziehung zu Gott, ich hörte Ihn auf einmal wieder, hatte Freude daran mehr Zeit mit Ihm zu verbringen und bekam neue Ideen für die Zukunft. Mir war zwar schon seit langem klar, dass ich wieder in die Mission oder allgemeiner ins Ausland gehen würde, aber wusste lange nicht wie und wann. Eine innere Stimme sagte mir, dass ich in Salvador etwas abholen soll. Bis heute ist mir nicht klar, was dies ist. Aber ich spürte einen inneren Drang wiederzukommen, der nicht allein auch damit was zu tun hatte, dass ich dort einen interessanten Mann kennengelernt hatte. Am letzten Tag bekam ich sehr viele Ideen was ich alles auf der Base machen könnte, wenn ich in den Sommerferien wiederkäme. Mehrere Regenbögen bekam ich an dem Tag und am nächsten Tag zu sehen. Für mich immer ein Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

Also fuhr ich den Juli über wieder nach Hause, arrangierte ein paar Dinge, sagte einen Sommerurlaub mit Freunden ab, und flog wieder für 5,5 Wochen rüber – dieses Mal nur Salvador. Ich wollte wissen wie die Base als Team funktioniert, portugiesisch vertiefen, das Waisenhaus besser kennenlernen und nach Möglichkeit hier und da was unterrichten oder predigen. Ein weiteres Projekt war die Planung des Gartens der Base, der vorwiegend nur aus wenig Grünfäche und Kokospalmen bestand. Mit ein paar Tricks konnte man aus wenigem mehr rausholen, dachte ich.

Leider verlief sich das mit dem interessanten Mann bald im Sande, was ich hier jetzt nicht weiter ausführen möchte. Es war sicherlich besser so, dass es nicht zwischen uns geklappt hat. Aber es trug dazu bei, dass ich die Zeit auf Base und mit anderen Leuten leider nicht so sehr genießen konnte. Sie gaben sich alle Mühe, aber es wurde meines Erachtens wenig und nicht ausreichend mit mir kommuniziert. Tagsüber war ich sehr viel allein. Ausflüge, Einsätze und Besuche wurden kontinuierlich verschoben oder fanden nicht statt. Eine gemeinsame Aktivität – das Fernsehen – kann ich leider nicht so lange aushalten. Das koreanische Team und die beiden aus Sambia waren nicht mehr da. Das Leben verlief langsamer als sonst. Ich war zerissen in meinem Wunsch was zu tun und mich einfach auszuruhen. Ich hatte nicht viel Kraft und Nerven mir mit meinem noch mangelhaften Portugiesisch neue Kontakte zu schaffen oder meinen Willen durchzusetzen. Schließlich sollte vor allem die Umsetzung des Gartenprojekts ein Gemeinschaftsprojekt sein, allein macht es keinen Sinn, da es ja dann nach meiner Abreise nicht mehr weitergeführt werden kann.

Dennoch hatte ich gute Begegnungen, nette Ausflüge auch in die Umgebung (Praia do Forte) und andere Brasilianer ausserhalb der Base die sich um mich kümmerten. Es gab in meiner letzten Woche nachher dermaßen viel zu tun, dass ich ganz verwundert war, woher dieser Arbeitseifer kam. Wir setzten den Garten um, ich predigte einmal in einer Gemeinde über Mission, gab Sexualkundeunterricht in zwei verschiedenen Jugendgruppen einer Gemeinde und wurde mehrfach zum Essen eingeladen. An einer Mini-DTS unterrichtete ich über die “DIe Stimme Gottes hören”.

Als ich wieder zuhause in Lörrach mit dem neuen Schuljahr anfing, reflektierte ich über meine Zeit in Salvador. Aus der Entfernung lässt sich dieses Erlebnis besser einordnen. In der Routine des Alltags kann man Dinge besser verarbeiten. Tief im Innern wusste ich aber damals nur eins: dies wird mein letztes Schuljahr an der FES. Mir gingen viele Ideen durch den Kopf: von Sabbatjahr machen, wieder in Mission gehen, oder im Ausland als Lehrerin zu arbeiten.

Ich machte vor allem eine Liste: Nahost oder Brasilien. Diese besprach ich mit Gott. Moslems und Naher Osten waren über Jahre immer mein tiefstes Interesse gewesen. Auch wollte ich lieber mit weniger priviligierten Menschen arbeiten. Ich war hin und her gerissen, denn beides ist spannend, beides würde mir liegen. Dennoch empfand ich den Eindruck weshalb ich damals Ägypten verlassen hatte, als sehr stark – weil ich als Singlefrau unter Moslems zu arbeiten als für mich nicht passend ansah. Da ist meine Liebe für Teenies und sie unterrichten stärker. Das kann ich überall in der Welt.

Nun gut als ich Eindrücke, Ideen, Träume und sonstiges über Wochen sammelte, füllte sich die Spalte mit Brasilien recht schnell, die für Nahen Osten blieb so gut wie leer. U.a. hatte ich einen Traum wo mir ein Ort auf der Landkarte Brasiliens gezeigt wurde, den ich nicht kannte und an dem viel Raubbau an der Natur vorgenommen wurde. Es war allerdings nicht der tropische Regenwald, obwohl mir der auch sehr am Herzen liegt diesen zu erhalten. Auch etwas anderes wusste ich sehr sicher: Ich kann nicht nach Salvador zurückkehren auch wenn sie mich gern wiederhaben würden.

Wochen später unterhielt ich mich bei einer Wanderung mit zwei Freunden über das was ich vorhatte und aber noch unentschlossen sei. Vera erwähnte ihre Freundin Vanessa die sie auch aus Perth kennt und bei einer Base im sogenannten Pantanal mitarbeitet. Mir war der Name ein Begriff, aber wusste nicht genau wo dieser Ort lag. Als ich es zuhause googelte war es genau dieser Ort den Gott(?) mir in einem Traum zeigte. Ich mailte Vanessa an, die sich voll freute, dass ich an einer Mitarbeit auf der Base interessiert sei. Sie haben spannende Projekte zu bieten, die alle meinen Interessen entsprechen! Außerdem erscheint mir die Base mit seinen klaren hierarchischen Strukturen, Projektleitern, den Bauprojekten wesentlich besser organisiert zu sein als die in Salvador. Ist das eine offene Tür? Noch war ich nicht überzeugt als Missionarin zu gehen, weil ich nicht sehe wie Spendengelder reinkommen sollen. Noch überlegte ich wegen vieler anderer Dinge….

In den letzten Monaten habe ich dennoch viel geprüft und gebetet, mich aus Verzweiflung bei Sprachschulen in Brasilien beworben, nach bezahlten Jobs umgesehen und auch internationale Schulen in Osteuropa und in Israel ausgemacht, an die ich wie wild Bewerbungen schickte. Entweder kamen Absagen oder ich hörte rein gar nichts. Es schien alles zu, egal wie sehr ich mich bemühte. Ich fand mit meiner Erfahrung als Lehrerin und meinen diversen Auslandsaufenthalten müsste doch einen bezahlten Job antreten können und nebenher missionarisch tätig sein können! Dass ich mich da irren konnte und auch leicht übersah, dass man als Lehrerin oft überfordert ist und in einem Land wie Brasilien nicht gut bezahlt wird, ignorierte ich in meinem Idealismus.

Ende Januar kündigte ich meinen Job an der FES Lörrach ohne, dass ich was anderes hatte. Wohlfühlen ist was anderes. Desweiteren forderte ich Gott heraus mir bis Ende Februar zu zeigen, dass ich wirklich nach Brasilien gehen sollte und mir drei übernatürliche Zeichen innerhalb von drei Tagen zu schenken. Er schenkte mir mehr als drei 😉

Mit größerem Frieden im Herzen machte ich mich an die Recherche von möglichen Visaanträgen. Im Endeffekt ist es wirklich das einfachste ich gehe als Missionarin. Aber die von der Botschaft gaben mir nicht viel Hoffnung. Auch aus anderen Kreisen hörte ich, dass es schwer ist ein Visum mit JMEM zu bekommen. In einem Moment der Klarheit und im Abchecken von zwei, drei anderen Missionsgesellschaften entschloss mich, dass das Angebot mit JMEM Altensteig entsandt zu werden, doch das Beste von allen für mich ist. Mit relativ wenig Geld werde ich weiterhin in Deutschland angestellt, bin kranken- und arbeitslosenversichert und bezahle recht wenig Gebühren. Nur mein Stolz hielt mich davon ab zu überlegen, ob ich mich wieder finanzieren lasse. Als gut ausgebildete Kraft mit viel Erfahrung ist das einerseits hartes Brot, aber am Ende die einige Option, auch die einige Option um wirklich zu dienen und von Gott abhängig zu sein. Ich übe jetzt eine demütige aber dennoch freudige Haltung zum fundraising aufzubauen, denn das ist es mir wert – Ich möchte ein Segen für Brasilien sein.

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Weekly Photo Challenge – Texture

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