Das Neuste

Liebe Leser,

in der Zukunft werde ich diesen Blog wieder öfters nutzen. Dies hat mehrere Gründe. Vorwiegend hat das damit zu tun, dass ich einfach gut kommunizieren möchte was demnächst bei mir passiert: Ich habe nämlich vor für 2 Jahre Deutschland zu verlassen und auf Probe nach Brasilien auszuwandern. Wie ich dazu kam, möchte ich euch in dieser Post schildern.

Letztes Jahr erfüllte ich mir einen lang gehegten Traum zur Fußball WM nach Brasilien zu reisen. Als begeisterter Fußballfan der ich seit Jahrzehnten mittlerweile bin “verehre” ich Mannschaften wie SV Werder Bremen, die deutsche und brasilianische Fußballnationalmannschaft. Normalerweise gucke ich fast alle Spiele einer EM und WM und vergesse dabei auch ein Stück normales Leben um mich drumherum, was ich als entspannend empfinde. Natürlich verfolge ich auch die Bundesliga. Nach Brasilien zur WM zu gehen war sozusagen das Non-plus-ultra. In den Ländern in denen ich bisher unterwegs war, kam ich immer sehr gut mit Brasilianern aus, zehrte von ihrer Lebensfreude, dem leichten Umgang mit ihnen, deren Begeisterung und Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Kulturen, Musik, Tanz und natürlich Fußball. Irgendwann, so hab ich immer gedacht, wenn ich wieder Brasilianer traf, werde ich dorthin gehen.

Als mir mein Chef nach mehr als einem Jahr “Betteln” erlaubte auf einen Missionseinsatz zur WM zu fahren, konnte ich es kaum glauben. Wie sehr hatte ich mich danach gesehnt, dachte aber aufgrund des ungünstigen Ferienplans in Baden-Württemberg würde es nie möglich sein. Doch mit Himmelfahrt und Pfingstferien, Abistreich, mündliche Prüfungen war es möglich, dass ich insgesamt 4,5 Wochen in Brasilien sein konnte, aber nur 7 Schultage fehlte, die ich auch nicht bezahlt bekam, was fair ist.

Ich kombinierte den Trip mit einem 4-Tage-Aufenthalt in Rio de Janeiro, fuhr 3 Tage nach Paraty, und anschließend nach Salvador. Dort hatte ich über Freunde die Möglichkeit für eine Woche bei einer Familie zu wohnen, die nur portugiesisch sprach. Zwar hatte ich vorher schon Privatunterricht mit einer echten Brasilianerin in Lörrach genießen können, aber ich war bei weitem nicht an den anderen Dialekt gewöhnt, noch an die Lebensart, noch an die Lebensumstände. Sie gaben sich sehr viel Mühe, aber es war meine erste richtige Erfahrung in einer Fremdsprache zu leben, die ich nicht richtig konnte und wo ich keine andere Wahl hatte als diese zu lernen.

Nach dieser Woche sehnte ich mich wieder nach Englisch, welche ich auf der JMEM Base in der Stadt von Salvador fand. Von hier sollte auch der Strasseneinsatz zur WM organisiert werden. Zwei Mitarbeiter (ein Ehepaar: sie Indoneserin, er Brasilianer) luden mich ein mit ihnen zu arbeiten und einfach dadurch auch die brasilianische Kultur besser kennenzulernen. Diese 17 Tage mit ihnen genoß ich vollends. Als Team von ca. 25 Leuten bestehend aus Koreanern, zwei Pastoren aus Sambia, den Rest Brasilianern, planten wir ein jedes WM Spiel zu gucken und bei allen Spielen in Salvador auf einen großen Straßeneinsatz zu gehen. Straßeneinsatz bedeutet, dass sich verschiedene Gemeinden einfinden und Unterschiedliches beitragen, sich aber abstimmen. Alle tragen das gleiche bunte T-Shirt, es gibt eine Band, Trommler, Caiporistas und Tänzerinnen. Der Rest verteilt Traktakte, bunte Bändel mit Bibelsprüchen drauf, Bibeln oder hält Poster hoch. Passanten bleiben oft stehen, tanzen oder laufen mit. So ist es ein Leichtes ihnen was in die Hand zu drücken. Wenn wir mit Leuten ins Gespräch kommen, bieten wir Gebet an und/oder erzählen ihnen von Jesus. Brasilianer sind nicht so wie wir Deutsche und hetzen irgendwohin um pünktlich zu sein. Nein, der Brasilianer bleibt stehen und will mehr wissen, zeigt Interesse an diesem Massenauflauf von Christen, die modern, erfrischend, laut und farbig sind. Ich fand das eine sehr gute Kooperation von JMEM und den Gemeinden vor Ort. Falls es keine Strasseneinsätze gab (insgesamt waren es “nur” 6) machten wir als Team Lobpreis und Gebetseinsätze an bestimmten strategischen Orten innerhalb der Stadt, besuchten ein Waisenhaus oder evangelisierten am Strand. Für mich war es die ideale Kombination aus Urlaub, was Sinnvolles tun und geistlich wieder erfrischt zu werden. Die lockere Art der einheimischen JMEMer machte vieles wieder gut, was ich bei meinen zwei Jahren mit JMEM Perth/Australien als negativ erlebt hatte. Es war vorwiegend gut die Zeit, sonst hätte ich nicht in Betracht gezogen wieder mit ihnen zu arbeiten.

Sicherlich der Höhepunkt schlechthin war der Besuch des Stadions Fonte Nova selbst und nicht nur als große Truppe von Christen Jesus vor dem Stadion zu repräsentieren. Das war auch gut und richtig. Aber wenn man die Chance hat zu einem echten WM Spieler zu gehen, wollte ich sie auch nutzen. Ich besuchte das erste Gruppenspiel von Deutschland gegen Portugal, welches unsere Mannschaft locker mit 4:0 gewann. Vorher traf ich sogar noch einen ehemaligen Schüler und seinen Papa, den ich aus der Heimatgemeinde kenne.

In den 17 intensiven Tagen erneuerte und intensivierte ich meine Beziehung zu Gott, ich hörte Ihn auf einmal wieder, hatte Freude daran mehr Zeit mit Ihm zu verbringen und bekam neue Ideen für die Zukunft. Mir war zwar schon seit langem klar, dass ich wieder in die Mission oder allgemeiner ins Ausland gehen würde, aber wusste lange nicht wie und wann. Eine innere Stimme sagte mir, dass ich in Salvador etwas abholen soll. Bis heute ist mir nicht klar, was dies ist. Aber ich spürte einen inneren Drang wiederzukommen, der nicht allein auch damit was zu tun hatte, dass ich dort einen interessanten Mann kennengelernt hatte. Am letzten Tag bekam ich sehr viele Ideen was ich alles auf der Base machen könnte, wenn ich in den Sommerferien wiederkäme. Mehrere Regenbögen bekam ich an dem Tag und am nächsten Tag zu sehen. Für mich immer ein Zeichen, dass ich auf dem richtigen Weg bin!

Also fuhr ich den Juli über wieder nach Hause, arrangierte ein paar Dinge, sagte einen Sommerurlaub mit Freunden ab, und flog wieder für 5,5 Wochen rüber – dieses Mal nur Salvador. Ich wollte wissen wie die Base als Team funktioniert, portugiesisch vertiefen, das Waisenhaus besser kennenlernen und nach Möglichkeit hier und da was unterrichten oder predigen. Ein weiteres Projekt war die Planung des Gartens der Base, der vorwiegend nur aus wenig Grünfäche und Kokospalmen bestand. Mit ein paar Tricks konnte man aus wenigem mehr rausholen, dachte ich.

Leider verlief sich das mit dem interessanten Mann bald im Sande, was ich hier jetzt nicht weiter ausführen möchte. Es war sicherlich besser so, dass es nicht zwischen uns geklappt hat. Aber es trug dazu bei, dass ich die Zeit auf Base und mit anderen Leuten leider nicht so sehr genießen konnte. Sie gaben sich alle Mühe, aber es wurde meines Erachtens wenig und nicht ausreichend mit mir kommuniziert. Tagsüber war ich sehr viel allein. Ausflüge, Einsätze und Besuche wurden kontinuierlich verschoben oder fanden nicht statt. Eine gemeinsame Aktivität – das Fernsehen – kann ich leider nicht so lange aushalten. Das koreanische Team und die beiden aus Sambia waren nicht mehr da. Das Leben verlief langsamer als sonst. Ich war zerissen in meinem Wunsch was zu tun und mich einfach auszuruhen. Ich hatte nicht viel Kraft und Nerven mir mit meinem noch mangelhaften Portugiesisch neue Kontakte zu schaffen oder meinen Willen durchzusetzen. Schließlich sollte vor allem die Umsetzung des Gartenprojekts ein Gemeinschaftsprojekt sein, allein macht es keinen Sinn, da es ja dann nach meiner Abreise nicht mehr weitergeführt werden kann.

Dennoch hatte ich gute Begegnungen, nette Ausflüge auch in die Umgebung (Praia do Forte) und andere Brasilianer ausserhalb der Base die sich um mich kümmerten. Es gab in meiner letzten Woche nachher dermaßen viel zu tun, dass ich ganz verwundert war, woher dieser Arbeitseifer kam. Wir setzten den Garten um, ich predigte einmal in einer Gemeinde über Mission, gab Sexualkundeunterricht in zwei verschiedenen Jugendgruppen einer Gemeinde und wurde mehrfach zum Essen eingeladen. An einer Mini-DTS unterrichtete ich über die “DIe Stimme Gottes hören”.

Als ich wieder zuhause in Lörrach mit dem neuen Schuljahr anfing, reflektierte ich über meine Zeit in Salvador. Aus der Entfernung lässt sich dieses Erlebnis besser einordnen. In der Routine des Alltags kann man Dinge besser verarbeiten. Tief im Innern wusste ich aber damals nur eins: dies wird mein letztes Schuljahr an der FES. Mir gingen viele Ideen durch den Kopf: von Sabbatjahr machen, wieder in Mission gehen, oder im Ausland als Lehrerin zu arbeiten.

Ich machte vor allem eine Liste: Nahost oder Brasilien. Diese besprach ich mit Gott. Moslems und Naher Osten waren über Jahre immer mein tiefstes Interesse gewesen. Auch wollte ich lieber mit weniger priviligierten Menschen arbeiten. Ich war hin und her gerissen, denn beides ist spannend, beides würde mir liegen. Dennoch empfand ich den Eindruck weshalb ich damals Ägypten verlassen hatte, als sehr stark – weil ich als Singlefrau unter Moslems zu arbeiten als für mich nicht passend ansah. Da ist meine Liebe für Teenies und sie unterrichten stärker. Das kann ich überall in der Welt.

Nun gut als ich Eindrücke, Ideen, Träume und sonstiges über Wochen sammelte, füllte sich die Spalte mit Brasilien recht schnell, die für Nahen Osten blieb so gut wie leer. U.a. hatte ich einen Traum wo mir ein Ort auf der Landkarte Brasiliens gezeigt wurde, den ich nicht kannte und an dem viel Raubbau an der Natur vorgenommen wurde. Es war allerdings nicht der tropische Regenwald, obwohl mir der auch sehr am Herzen liegt diesen zu erhalten. Auch etwas anderes wusste ich sehr sicher: Ich kann nicht nach Salvador zurückkehren auch wenn sie mich gern wiederhaben würden.

Wochen später unterhielt ich mich bei einer Wanderung mit zwei Freunden über das was ich vorhatte und aber noch unentschlossen sei. Vera erwähnte ihre Freundin Vanessa die sie auch aus Perth kennt und bei einer Base im sogenannten Pantanal mitarbeitet. Mir war der Name ein Begriff, aber wusste nicht genau wo dieser Ort lag. Als ich es zuhause googelte war es genau dieser Ort den Gott(?) mir in einem Traum zeigte. Ich mailte Vanessa an, die sich voll freute, dass ich an einer Mitarbeit auf der Base interessiert sei. Sie haben spannende Projekte zu bieten, die alle meinen Interessen entsprechen! Außerdem erscheint mir die Base mit seinen klaren hierarchischen Strukturen, Projektleitern, den Bauprojekten wesentlich besser organisiert zu sein als die in Salvador. Ist das eine offene Tür? Noch war ich nicht überzeugt als Missionarin zu gehen, weil ich nicht sehe wie Spendengelder reinkommen sollen. Noch überlegte ich wegen vieler anderer Dinge….

In den letzten Monaten habe ich dennoch viel geprüft und gebetet, mich aus Verzweiflung bei Sprachschulen in Brasilien beworben, nach bezahlten Jobs umgesehen und auch internationale Schulen in Osteuropa und in Israel ausgemacht, an die ich wie wild Bewerbungen schickte. Entweder kamen Absagen oder ich hörte rein gar nichts. Es schien alles zu, egal wie sehr ich mich bemühte. Ich fand mit meiner Erfahrung als Lehrerin und meinen diversen Auslandsaufenthalten müsste doch einen bezahlten Job antreten können und nebenher missionarisch tätig sein können! Dass ich mich da irren konnte und auch leicht übersah, dass man als Lehrerin oft überfordert ist und in einem Land wie Brasilien nicht gut bezahlt wird, ignorierte ich in meinem Idealismus.

Ende Januar kündigte ich meinen Job an der FES Lörrach ohne, dass ich was anderes hatte. Wohlfühlen ist was anderes. Desweiteren forderte ich Gott heraus mir bis Ende Februar zu zeigen, dass ich wirklich nach Brasilien gehen sollte und mir drei übernatürliche Zeichen innerhalb von drei Tagen zu schenken. Er schenkte mir mehr als drei 😉

Mit größerem Frieden im Herzen machte ich mich an die Recherche von möglichen Visaanträgen. Im Endeffekt ist es wirklich das einfachste ich gehe als Missionarin. Aber die von der Botschaft gaben mir nicht viel Hoffnung. Auch aus anderen Kreisen hörte ich, dass es schwer ist ein Visum mit JMEM zu bekommen. In einem Moment der Klarheit und im Abchecken von zwei, drei anderen Missionsgesellschaften entschloss mich, dass das Angebot mit JMEM Altensteig entsandt zu werden, doch das Beste von allen für mich ist. Mit relativ wenig Geld werde ich weiterhin in Deutschland angestellt, bin kranken- und arbeitslosenversichert und bezahle recht wenig Gebühren. Nur mein Stolz hielt mich davon ab zu überlegen, ob ich mich wieder finanzieren lasse. Als gut ausgebildete Kraft mit viel Erfahrung ist das einerseits hartes Brot, aber am Ende die einige Option, auch die einige Option um wirklich zu dienen und von Gott abhängig zu sein. Ich übe jetzt eine demütige aber dennoch freudige Haltung zum fundraising aufzubauen, denn das ist es mir wert – Ich möchte ein Segen für Brasilien sein.

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