Ein Plädoyer zu Klatsch und Tratsch

Einer meiner ersten Artikel die ich für einen Gemeindebrief vor 6 oder 7 Jahren geschrieben habe. Einfach und direkt…(behaupte aber nicht dass ich euch damit etwas Neues sage)

  1. Was ist das?

Reden über Dritte, die nicht anwesend sind und sich von daher nicht verteidigen können. Dies können gute wie böse Dinge sein, sind meistens Beurteilungen, Einschätzungen ohne Fakten „in der Hand zu haben“. Diese dritte anwesende Person wird in ein Schema gepresst ohne ihr die Freiheit zu geben, sich zu entfalten oder sich doch ganz anders zu benehmen als erwartet, selbst das könnte wieder negativ ausgelegt werden.

  1. Wieso werden wir versucht zu tratschen?

Ich denke, im wesentlichen, ist es eigene Unzufriedenheit oder Langeweile. Wenn im eigenen Leben nichts passiert, woran man/frau Freude hätte, dann möchte man/frau wenigsten von anderen hören, am liebsten dass es schlecht läuft, um nicht allein in einer schlechten Situation dazustehen (Anderen geht es ja auch so oder sogar noch schlechter). Das vermittelt einen das Gefühl von Befriedigung. Hört man/frau aber von guten Dingen, wird es oft schnell runtergespielt, um nicht mit dem eigenen Neid konfrontiert zu werden. Das ist Mißgunst durch Vergleiche mit anderen, Eifersucht und mangelnde Selbstachtung. Ich behaupte, viele Dinge werden deswegen der dritten Person nicht mitgeteilt, weil es Scham ist, sich seine eigenen bösen Gedanken (wie Neid und Geiz) einzugestehen, aber um sich Luft zu machen, einer unabhängigen Person gegenüber mitgeteilt, um sich eine Bestätigung der eigenen Denkweise einzuholen. Dabei muß die Person gegenüber keine Ahnung von der Angelegenheit haben oder die dritte Person kennen. Brisanter wird es aber wenn die andere die Person kennen, desto mehr will sich der Tratschende in seinem Denken bestätigt fühlen.

Fazit: Wir reden nicht direkt mit sondern indirekt über die Person. Die Versuchung fängt bei einem selber an. Oft geht eigene Unzufriedenheit oder Enttäuschung voraus und versucht es auf andere abzuwälzen.

Ursache: Bösen Gedanken werden Raum gegeben – es formiert sich ein Gedankengerüst, das immer weiter gesponnen wird – gegenüber jemanden ausgesprochen, evtl. mit neuen Informationen gefüttert, Bestätigung – weitere Vorurteile – keine Bereitschaft sich korrigieren zu lassen – im schlimmsten Fall: Bruch der Beziehung

  1. Lösung

Ja, es gibt sie…die Lösung. Sie erscheint so einfach und ist dennoch effektiv.

 a) Für den der trascht

Die eigene Schwachheit einsehen: Ich habe gesündigt und brauche Gott.

Aktives Ertappen solcher Gedanken und sich selbst verbieten, d.h. sich nicht hinein begeben oder frönen (nach der Art: Das geschieht ihr recht).

Diese bösen Gedanken durch gute Gedanken ersetzen, z.B. Gott bitten sich in der Denkweise korrigieren zu lassen.

Sich auf Menschen aktiv einzulassen, Fragen stellen und Interesse haben, sich von seinem Standpunkt weg bewegen zu können. Oft merken wir selbst, dass wir überrascht werden, wenn unsere falsche Vorstellung schwindet weil wir neue, interessante und positive Seiten an der Person sehen, die uns gefallen und wo man Gemeinsamkeiten findet. Oft geschehen Tratschsituationen dadurch, dass man die dritte Person schon lange nicht gesehen hat und ihr nicht zugesteht, sich geändert zu haben oder gleich geblieben ist – gibt einen ja das Gefühl von Vertrautheit.

Für die Person beten: Haben wir schlimme Gedanken vielleicht auch deshalb weil wir befürchten, der andere kann uns nicht leiden. Dann heisst es, das biblische Wort: Betet für eure Feinde, ernst zu nehmen. Zwei die sich unterhalten über jemand drittes, können bevor sie ins Tratschen verfallen, gemeinsam für die Person beten und Gott darum bitten, sich in ihren Ansichten korrigieren zu lassen, falls nötig. Gebet kann jeder gebrauchen und ihr werdet sehen, je mehr und regelmäßiger ihr betet, dass Gott auch eure Einstellung ändert und ihr sensibler werdet, wie die bebetete Person eigentlich ist und unbewußt auf ihre Bedürfnisse eingeht. Laßt euch überraschen!

b) Für den der dem Tratsch zuhört und versucht ist, mit einzusteigen

Unterbrechen und sagen, dass es einen nichts angeht. Oft merkt dann das Gegenüber schon, dass es zu weit gegangen ist. Reife Personen werden dann einfach aufhören, andere sich verteidigen. Dann ist man selbst am Zug und sollte vielleicht wirklich einfach gehen. Reife Menschen sind am Ende vielleicht sogar noch dankbar, dass man was gesagt hat.

Die allgemeine Folge ist, dass wir der Person über die getratscht wird, schon gar nicht mehr aufrichtig begegnen können und es schwierig haben, uns positiv überraschen zu lassen. Schlussendlich schaden wir uns nur selbst.

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