Es gibt für mich zwei Dinge, für Menschen zu beten

Einmal für den, den ich verlassen muss,

 ob er sich verabschiedet,

zurückzieht oder einfach geht,

ob er Freund war oder Freundin,

Kamerad oder Weggefährtin,

ob wir verbunden

in Treue, Liebe oder Verantwortung,

vor allem aber dann,

wenn es ein Abschied für immer ist

ein Loslassen für die Weltzeit,

fürs Leben zum Leben.

Und einmal für den, den ich nicht mag und der mich nicht mag.

Sei es in jener normalen Antipathie,

die da und unerklärlich,

sei es in jener Traurigkeit,

die aus zugefügtem Schmerz erwächst

oder aus der Bitterkeit,

die mir Tränen abgerungen hat.

Für den, der mich verletzt hat

oder den ich mit Füssen getreten;

Sei es, dass etwas zerbrochen oder gestohlen,

dass etwas verloren oder genommen,

dass jemand zerrissen oder verzweifelt;

oder ein Wort zuwenig war.

Warum auch immer, er bleibt nur dann Mensch,

wenn ich ihn in Gott und bei Gott aushalte.

Er bleibt nur dann am Leben,

wenn ich ihn Gott ans Herz lege.

Er wird nur dann kein Unmensch,

wenn ich erfahre, dass Gott ihn mit mir aushält,

ihn vielleicht sogar erträgt

als mich selbst.

Bruder Immanuel Jacobs OSB (1990)

Advertisements
Categories: Poemas | Tags: , , | Leave a comment

Post navigation

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Blog at WordPress.com.

%d bloggers like this: